Poetry Slam

 

Bayerisches Fernsehen –

Sehen statt Hören

 

Poetry Slam für Gehörlose und Hörende

 

Darstellende Teilnehmer/innen auf der Bühne

 

Aneta und Tahani haben es in dem amerikanischen Film „Deaf Jam“ vorgemacht. Jetzt können auch die Gehörlosen in Deutschland ihrem Beispiel folgen und ihre Poesien vor gehörlosem und hörendem Publikum auf die Bühne bringen – beim großen Wettbewerb „Deaf Slam“ der Aktion Mensch, mit fünf Workshops und anschließenden Live-Slams in Heidelberg, Berlin, Dortmund, München und Hamburg.

 

Philipp Wacker und Moderatorin Sarah Bednarek aus NRW

 

Beim bisher letzten, am 16. und 17. Februar in Dortmund, waren Autor Stefan Brainbauer und Moderatorin Sarah Bednarek (Nordrhein-Westfalen) für Sehen statt Hören dabei. In ihrer Reportage machten sie uns mit den Teilnehmern und den beiden Workshop-Leitern Simone Lönne (gehörlos) und Wolf Hogekamp (hörend) bekannt, führten Interviews, ließen uns bei einer Übung zum „Storytelling“ zuschauen und begleiteten einen der Nachwuchs-Poeten, Philipp Wacker (Nordrhein-Westfalen), nach Hause, wo er vor dem Spiegel sein Stück einstudierte, das er aber am nächsten Tag nach dem Gespräch mit Simone wieder komplett verwarf. Dann konnten wir den eigentlichen „Deaf Slam“ miterleben, den Wettkampf in Gebärdensprache. Wer gewann, entschieden die Zuschauer mit ihrem Applaus, hier natürlich durch Händewedeln und Füße trampeln. - Philipp ging mit seiner völlig neu entwickelten Poesie „Ein Scheiß-Tag“ ins Rennen, Pia hingegen, eine seiner Konkurrentinnen, zum Beispiel mit dem Stück „Deaf Stern“, in dem sie zum Mond kletterte und nach den Sternen am Himmel griff.

 

Philipp Wacker mit seiner Poesie

 

Die beiden Deaf Slams haben am 16. und 17. März in München und am 6. und 7. April in Hamburg stattgefunden, wobei bei der Teilnahme mit einem Auftritt in einem Poetry Slam Club eine Reise nach New York zu gewinnen ist.

Beim großen Finale am 6. und 7. April in Hamburg war der Student Dawei Ni aus Wien in Hamburg dabei und konnte das Publikum mit seinem Beitrag in fünf Minuten für sich gewinnen. Er war der Gewinner von „BÄÄM! Der Deaf Slam“, Deutschlands erstem Poetry Slam-Wettbewerb für Gehörlose und Hörende.

Mit seiner wunderbaren Vorführung setzte sich der Wiener Student bei diesem Finale gegen elf weitere Poeten durchgesetzt. Auf dem „Festplatz Nord“ hat der gehörlose Nachwuchspoet die Zuschauer-Jury mit seinem Plädoyer zur Gebärdensprachkultur voll überzeugt.

Der Gewinner Dawei Ni wird nun bei einem bekannten US-Poetry Slam in New York antreten. Viel Spaß beim Flug nach New York, lieber Dawei Ni.

 

Aus Wikipedia:

Ein Poetry Slam (sinngemäß: Dichterwettstreit oder Dichterschlacht) ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Ausschlaggebend ist dabei, dass der Textvortrag – im Gegensatz zur reinen "Wasserglaslesung" (Jargon der Poetry Slammer) – durch performative Elemente und die bewusste Selbstinszenierung des Vortragenden ergänzt wird. Die Veranstaltungsform entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den neunziger Jahren weltweit. Die deutschsprachige Slam-Szene gilt nach der englischsprachigen als die zweitgrößte der Welt.